Kundalini Yoga – Tantra
Kundalini Yoga ist der Yoga der Energie und ein Teil von Tantra. Tantra heißt auf Sanskrit Gewebe, Netz und Zusammenhang. Als Tantra werden die schlüssig zusammenhängenden Kerntexte einer Lehre sowie die teilweise nur mündlich weitergegebene Techniken, Praktiken und Rituale der Lehre bezeichnet. Das System der Chakras (Energiezentren im Astralkörper*) und Nadis (72.000 Energiekanäle im Astralkörper*) wurde von Tantrikern entdeckt und ist die Basis des Kundalini Yoga.
Kundalini heißt “die Aufgerollte”. Damit wird die Schlangenkraft, die am Muladhara Chakra (Wurzelchakra – Steißbein) liegt, gemeint. Das Aufsteigen der Kundalini Schlangenkraft ist Ziel der tantrischen Kundalini Yoga Praktiken.
Grundlage des hinduistischen Tantras** ist die Shiva – Shakti Philosophie. Shiva repräsentiert das statische und unveränderliche kosmische Bewusstsein “Brahman” und Shakti repräsentiert die abgetrennte, bewegliche, schöpferische Energie in den Körpern des Menschen und das Selbst “Atman”. Ursprünglich sind Shiva und Shakti eins, wurden aber getrennt. Ziel des Kundalini Yoga ist die Erweckung der Kundalini Schlangenkraft und ihr Aufsteigen durch alle Chakras, vom Muladhara bis ins Sahasrara Chakra (Scheitelchakra – Schädeldecke), um Shiva und Shakti wieder zu vereinen. Denn nur, wenn Brahman und Atman eins sind bzw. als Einheit erkannt werden, ist der Mensch frei und selbstverwirklicht (erleuchtet). Die Praktiken des Kundalini Yoga dienen dazu, dass die Nadis und die Chakras gereinigt werden und sich öffnen, damit die aufsteigende Kundalini nicht blockiert wird. Die Befreiung des Menschen im Rahmen einer individuellen Evolution erstreckt sich über viele Reinkarnationen. Kundalini Yoga ist die Wissenschaft der Beschleunigung dieser natürlichen Evolution.
Im Tantra und Kundalini Yoga sind jedem Chakra bestimmte Bewusstseinszustände und bestimmte Siddhi (Fähigkeiten) zugeordnet. Mit verschiedenen Kundalini Yoga Techniken werden die Chakras und Nadis geöffnet, der physische Körper gestärkt und der Astralkörper* energetisiert. Dazu gehören unter anderem auch die – ggf. im Tantra entwickelten – Techniken des Hatha Yoga. Kundalini Yoga hat technische Richtungen, die teilweise kombiniert werden:
1. Hatha Yoga > Techniken wie (s. Navigation links) beschrieben, zusätzlich Bandhas (Energieverschlüsse) und Mudras (Asanas kombiniert mit Atemtechnik, Visualisierung und Mantra).
2. Mantra Yoga > Klangenergien von Silben, Worten und Texten wirken auf die Chakras.
3. Nada Yoga > Klangenergien von Tönen wirken durch Klangschalen und Musikinstrumente auf den Körper bzw. die Chakras, denn jedem Chakra ist eine Tonhöhe zugeordnet.
4. Yantra Yoga*** > Meditation auf Yantras, Mandalas und Farben. Yantras sind geometrische Figuren und Symbole. Mandalas beinhalten auch Götterdarstellungen. Jedem Chakra werden bestimmte Farben und Symbole zugeordnet.
5. Laya Yoga> Laya Yoga ist die Transformation grobstofflicher in feinstoffliche Energien, also der Yoga der meditativen Absorbierung. Laya Yoga besteht aus tantrisch meditativen Techniken, die mit Techniken aus dem Hatha Yoga (Pranayamas / Atemkontrolle und Mudras / Siegel) verbunden werden. Ein Beispiel: Erregung wird von Gedanken, die in Form von Worten und Bildern auftauchen und zu Erregungszuständen führen, getrennt und sich als Energie bewusst gemacht und dann als Teil der kosmischen Energie wahrgenommen. Der Wahrnehmende verschmilzt dann mit dem Wahrgenommenen. Laya Yoga ist somit eine Herangehensweise, die danach strebt, den bedingten Geist aufzulösen.
Es gibt 3 Arten hinduistischen Tantras:
1. Weißes Tantra > Es werden die beschriebenen Techniken des Kundalini Yogas genutzt, um den Astralkörper* zu reinigen und Nadis und Chakras zu öffnen.
2. Rotes Tantra > Techniken des weißen Tantras werden in sexuelle Vereinigungsrituale mit einbezogen. Hierbei repräsentiert der Mann Shiva und die Frau Shakti. Voraussetzung für rotes Tantra ist eine gewisse Praxis im weißen Tantra oder aber der Stand der individuellen Evolution des Praktizierenden (s. weiter oben) ist weit genug voran geschritten. Es sollten zumindest die ersten 4 Chakras (Muladhara, Swadhistana, Manipura und Anahata Chakra) weitgehend offen sein, um rotes Tantra sinnvoll praktizieren zu können. Durch rotes Tantra wird sexuelle Energie nach oben gezogen, die Energiekreisläufe der Praktizierenden werden gekoppelt und letztendlich wird die sexuelle Energie sublimiert (aufgelöst). Eine Ejakulation gilt im roten Tantra als reine Energieverschwendung und wird daher nicht angestrebt.
3. Schwarzes Tantra > Durch das intensive Praktizieren von Tantra, Kundalini Yoga und Yoga überhaupt können sich Siddhi, das sind besondere Fähigkeiten, entwickeln. Siddhi werden im allgemeinen nicht angestrebt, können aber missbräuchlich angewendet werden. Schwarzes Tantra ist das Anwenden von Siddhi zur Manipulation anderer Menschen zu selbstsüchtigen Zwecken oder um sonstige egoistische Vorteile zu erlangen. Das Praktizieren von schwarzem Tantra kann negatives Karma aufbauen.
Hinweise:
* Astralkörper = Sukshma Sharira = feinstofflicher Körper, der aus 3 Hüllen (vitale, emotionale, intellektuelle) besteht und bei lebenden Wesen mit dem physischen Körper verbunden ist
** Erläuterungen zum buddhistischen Tantra folgen
*** Yantra Yoga ist auch im tibetanischen buddhistischen Tantra ein Yoga Bewegungssystem aus dem 8. Jahrhundert


